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Tu-95 Bear
Es war der "Tag der Luftfahrt" im Jahre des Herrn 1955, als der Westen erstmals von der Existenz der Bear erfuhr. Man verkannte jedoch lange Zeit die Leistungen des neuen Typs. Während man überall versuchte möglichst schnell leistungsfähige und sehr schnelle Strahlflugzeuge zu entwickeln, stellte nun die Sowjetunion eine Turboprop-Maschine in Dienst. Die Idee, einen strategischen Bomber mit Turboprops und nicht mit Strahltriebwerken auszurüsten war so genial wie einfach. Die bisherigen Bomberflotten waren fast ausschließlich mit Kolbenmotoren betrieben, und deren Leistungsgrenze war mit Ende des zweiten Weltkriegs ausgereizt. Turboprops waren aber erst, genauso wie Strahltriebwerke am Beginn ihrer Entwicklung und außerdem auch die wirtschaftlichere Alternative. Die Strahltriebwerke der 50'er Jahre waren extrem groß und hatten eine relativ geringe Leistung bei einem horrenden Verbrauch. Beim Entwurf der Tu-95 kam zu den Turbinen als Antrieb auch noch der Einsatz eines Schwenkflüglers hinzu. Der Rumpf wurde sehr schlank gehalten. Diese drei Merkmale verliehen der Tu-95 ihre hervorragenden Flugeigenschaften, mit denen sie sich leicht mit der amerikanischen B-52 messen kann, sie sogar teilweise übertrifft. Entworfen wurde die Tu-95 zwar als strategischer Bomber, jedoch wurde ihr Einsatzspektrum im Laufe der Nutzungsjahre den neuen Erfordernissen der modernen Gefechtsfelder angepasst. Wegen zunehmender Verbreitung von hervorragenden Luftabwehrmitteln wurde sie relativ schnell aus der Rolle eines Freifallbombers entlassen. Ihre neue Rolle der strategische Raketenträger. Wegen ihrer Größe war sie in der Lage, Marschflugkörper wie die AS-3 Kangaroo zu tragen, welche die Größe eines Jagdflugzeugs hatten. Die Tu95 sollte möglichst nicht in irgendwelche Luftkämpfe verwickelt werden, aus denen sie wohl kaum als Sieger hervorgehen würde. Statt dessen sollte sie die Marschflugkörper möglichst weit vor dem Ziel ausklinken und abdrehen. Die nächste Rolle, die man der Bear zudachte war die des Seeaufklärers und Lenkflugkörperträgers. Wegen ihrer riesigen Reichweite war es der Tu-95 möglich, recht lange in einem großen Zielgebiet zu operieren oder Flottenbewegungen zu überwachen und eventuell Maßnahmen zu ergreifen. Ebenso wird sie auch zur U-Boot-Abwehr eingesetzt. Die letzte Version, die Tu-142 ist ein Marschflugkörperträger für den AS-X-15. Obwohl schon über 40 Jahre im Einsatz, kann man die Tu-95 noch lange nicht als veraltet bezeichnen. Durch laufende Kampfwertsteigerung und Neuorientierung der Einsatzmöglichkeiten wird sie wohl, wenn auch in verringerter Stückzahl, noch eine ganze Weile das Brummen ihrer Turboprops über den Weltmehren erklingen lassen.
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