Tu-22 Blinder

 

Die Tu-22 ist bis heute eines der geheimsten Militärprojekte der ehemaligen Sowjetunion und nur sehr wenige Informationen sind bekannt. Sie wurde als strategischer Raketenträger ab 1959 in den aktiven Truppendienst übernommen und 1961 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Von der NATO bekam sie schließlich den Namen "Blinder" zugewiesen, in der Sowjetunion war es "Shilo". Sie war der erste sowjetische Überschallbomber, der in Serie gefertigt wurde. 

Angetrieben wurde die Blinder von zwei Turbofan-Nachbrennertriebwerken , welche nebeneinander auf dem Hinterrumpf montiert wurden. Wegen der wenigen Erfahrungen mit Überschallbombern kam es zu vielen technischen Problemen mit den Maschinen. Es ging eine ganze Anzahl von Flugzeugen verloren und diese konnten auch nie ganz behoben werden. Die ersten Maschinen, TU-22, erreichte zwar Geschwindigkeiten bis Mach 1,4 in großen Höhen, jedoch war Reichweite eher unzureichend. Darum wurde diese Version überarbeitet. 

Serienversionen

Tu-22B "Blinder" -erste Serienversion
  -Einsatz als Freifallbomber
  -Produktion endete nach 15 Maschinen (techn. Probleme; erste ASM's in Serie
  -Einsatz als Trainer
Tu-22R "Blinder-C" -Luftbildaufklärer
  -Kameras in der Nase und im Bombenschacht
  -Bombenvisiere und Kontrollsysteme weiter vorhanden
  -insg. 127 hergestellt
  -ab 1962 Einbau von Betankungsstutzen
Tu-22U "Blinder-D" -Trainer
  -zweite Kabine für den Ausbilder
  -Einführung in die Truppe ab 1963
  -insg. 46 hergestellt
Tu-22K "Blinder-B" -Raketenträger
  -Integrierung des K-22 Waffensystems
  -Bewaffnung Kh-22 (AS-4 Kitchen)
  -Transport der Waffe teilversenkt unter dem Rumpf (eine Kh-22)
  -Probleme mit der Flugdynamik wegen großer externer Nutzlast
  -erster Prototyp 1961
  -Freigabe der Kh-22 für den Truppengebrauch ab 1964
  -Einsatz Tu-22K und Kh-22 zusammen ab 1965
  -insg. 76 hergestellt
Tu-22P "Blinder-E" -elektronischer Aufklärer
  -Hauptaufgabe: Zielfindung (vor Allem Trägergruppen)
  -insg. 47 hergestellt

Cockpit
Die drei Besatzungsmitglieder sitzen auf hintereinander angeordneten Schleudersitzen in einer Druckkabine. Bei Betätigung der Schleudersitze wurden die beiden hinteren Besatzungsmitglieder nach unten und nur der Pilot nach oben ausgestoßen. Unter ergonomischen Gesichtspunkten betrachtet soll das Cockpit zu einem der schlechtesten gehört haben. Schalter und Knöpfe waren so ungünstig angebracht, dass die Piloten sich teilweise Schnüre und Hebel daran anbrachten, um sie leichter zu erreichen und sich nicht zu sehr verbiegen zu müssen. Unter Tu-22R Crews gab es einen Spruch dazu: "Es ist ein wunderbares Aufklärungsflugzeug, in dem der Pilot nur den Himmel und nicht die Startbahn sieht, der Navigator erkennt nicht das Gelände vor ihm, sondern nur das darunter und der WSO, welcher ein Auge auf das Heck der Maschine haben soll, sieht nur die Tragflächen. 

Avionik
Die Tu-22 verwendet ein im Kinnradom untergebrachtes "Down Beat" Flugkörperlenkradar.

Bewaffnung
Nukleare oder konventionelle Freifallwaffen, ASM AS-6 "Kitchen"

 

Die "Blinder" konnte die in sie gesetzten Erwartungen in keinster Weise erfüllen. Eigentlich als Nachfolger der Tu-16 geplant, wurden beide Typen nun gleichzeitig eingesetzt. Der Vorteil der "Blinder" lag wohl vorrangig in ihrer hohen Fluggeschwindigkeit und damit einer geringeren Verweildauer im Zielgebiet, was sich besonders bei Angriffen auf Trägerverbände gut macht. Die "Badger" konnte dafür zwei der Kh-22 tragen. 

 

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