PANAVIA Tornado 

Tornado IDS (Interdictor/Strike)

Ende der 60‘er Jahre stellten viele europäische Luftwaffen ein Defizit in ihren Luftwaffen fest, welches vor allem in Zusammenhang mit dem F-104 „Starfighter“ und dessen zunehmendem Alter stand. Das von den USA in großen Stückzahlen nach Europa verkaufte Flugzeuge erfüllte nie die in es gesetzten Erwartungen.
Letztlich fanden sich zu diesem bisher teuersten und gleichzeitig erfolgreichsten europäischen Rüstungsprogramm. Unter der Bezeichnung MRCA- Multi Role Combat Aircraft vereinigten Deutschland, Großbritannien und Italien die verschiedensten Forderungen und zeigten sich erstaunlich kompromissbereit. Insgesamt wurden sechs Einsatzverwendungen herausgearbeitet: Luftnahunterstützung und Gefechtsfeldabriegelung; Abriegelung/Angriff gegen die feindlichen Luftstreitkräfte am Boden; Angriff gegen die feindlichen Seestreitkräfte; Aufklärung; Luftüberlegenheit; Abfangjagd/Luftverteidigung. Von der Konzeption her wurde der Tornado ein taktisches Kampfflugzeug für den Bodenangriff, welches aber auch ein gewisses Potential für die Luftverteidigung bekam. In Kenntnis der sowjetischen Luftverteidigung, welche ein Eindringen in großen und mittleren Höhen so gut wie unmöglich machen würde, sollte der Tornado sein Ziel im Geländekonturflug angreifen. Großbritannien, welches wegen seiner Insellage mit Luftangriffen über Wasser rechnen musste, forderte zusätzlich eine Luftverteidigungsvariante

Der Tornado IDS, oder auch GR.Mk 1, wie er bei der RAF genannt wird, stellt mit 780 den größten Teil der über 1.000 bisher hergestellten Maschinen. Er stellt die derzeit leistungsfähigste Plattform der Nato für den gezielten Bodenangriff dar. Mittels seiner hochspezialisierten Ausrüstung ist er in der Lage im Tiefstflug Ziele weit im Hinterland des Gegners bei jedem Wetter und bei jeder Tages- oder Nachtzeit anzugreifen.
Der Erstflug eines Tornado erfolgte im August 1979 und schon zwei Jahre später erfolgte die Auslieferung an die Truppe.
Um dem Flugzeug in alles Fluglagen ein möglichst optimales Tragwerk zu geben, kommt ein Schwenkflügel zum Einsatz. Damit kann der Tornado sowohl sehr exakt in Baumhöhe manövrieren, als auch mit Mach2 in großer Höhe auf sein Ziel zurasen.
Seinen ersten Kampfeinsatz erlebte der Tornado in der Wüste von Kuwait. Die Maschinen der RAF bildeten das Rückgrad der alliierten Bodenangriffsstaffeln gegen irakische Flugplätze und Bunkeranlagen. Da es kein anderes Flugzeug gibt, daß die JP 233 gegen Flugplätze einsetzten kann, war es der Job der Tornados die Startbahnen mittels Hunderten von Spreng-, Vibrations- und Verzögerungssprengkörpern zu pflastern. In Verbindung mit einer Buccaneer, welche als Zielbeleuchter fungierte, wurde so mancher irakische Bunker von britischen Bomben vernichtet. Bei all diesen, meist im Tiefflug ausgeführten Missionen erlitt die RAF aber auch relativ hohe Verluste, prozentual gesehen sogar mehr als die USA.
Der Tornado IDS wird heute von der Bundesluftwaffe, der Bundesmarine, der Britischen Royal Air Force, der Italienischen Luftwaffe und der Royal Saudi Air Force eingesetzt.
Deutschland setzt mit dem Tornado ECR (Electronic Combat Reconnaissance) eine auf die elektronische Aufklärung spezialisierte Version ein. Diese insgesamt nur 35 Maschinen werden hauptsächlich zur Lokalisierung, Unterdrückung und Ausschaltung gegnerischer Radarstellungen eingesetzt. Es gibt weltweit kein anderes hierfür so spezialisiertes Flugzeug wie die 35 Tornados der Bundesluftwaffe.

Cockpit
Pilot und Navigator/WSO sitzen auf Martin-Baker Mk 10 Zero/Zero-Schleudersitzen. Die Anzeigen des Tornado IDS sind der Entwicklungszeit entsprechend. Der Pilot verfügt über ein HUD, darunter ein Rollkartendarstellungsgerät. Alle anderen Daten werden über normale Analoganzeigen vermittelt. Der WSO auf dem hinteren Sitz verfügt ebenfalls über ein Rollkartendarstellungsgerät. Zusätzlich hat er noch zwei Monitore zur Darstellung der taktischen Informationen. Die Waffensteuerung erfolgt über einen kleinen Steuerknüppel.

Avionik
Ein von Texas-Instruments entwickeltes multimode forward-looking Radar bildet den Hauptsensor des Tornado IDS. Zur Navigation stehen die beide Modi Terrain-Following (TFR) und Ground-Mapping (GMR) zur Verfügung. Durch ein Update im Jahr 1996 sind die Leistungsdaten weiter verbessert worden. Die Steuerung des Radars wurde verfeinert und seine Störbarkeit durch gegnerische ECM wurde verringert. Auch eine Identifizierung von Luftzielen mittels Radar ist nun möglich.
Eine umfangreiche, und für die Einsätze des Tornados zwingend notwendige, Ausstattung mit diversen Störsendern und Gegenmaßnahmen vervollständigen die Avionikausrüstung.

Bewaffnung
Die Grundbewaffnung bilden zwei 27-mm Maschinenkanonen von Mauser. Darüber hinaus wird der Tornado je nach seinem Einsatz mit einer Reihe von unterschiedlichen Waffen fertig. Die beiden wichtigsten stellen wohl die deutsche MW-1 und die britische JP 233 dar. Beide sind Wurfbehälter für Submunition und nur der Tornado kann damit ausgerüstet werden. Das restliche Bewaffnungsspektrum reicht von „Beluga“ Streubomben über die „ALARM“ bis zum „Kormoran“ Schiffsbekämpfungsflugkörper. Für den Luftkampf stehen AIM-9L Sidewinder zur Verfügung


Großbritannien hat nach dem Golfkrieg ein Programm zur Kampfwertsteigerung (mid-life-update—MLU) gestartet, mit dem 142 GR.Mk 1 eine Lebensdauer mindestens bis zum Jahr 2018 erhalten sollen. Die Neuerungen umfassen vor allem über einen Datenbus verbundene Avioniksysteme. Das Navigationssystem wurde für die Nutzung von GPS erweitert und auf einem MFD kann jetzt eine Digitale Karte eingespielt werden. Zur automatischen Ansteuerung von lasergelenkten Waffen dient ein TIALD (Thermal Imaging Laser Designator). Nach manuellem Aufschalten durch die Besatzung verfolgt das System das Ziel selbstständig. Endlich wurde auch ein FLIR integriert, welches sein Bild auf HUD oder HDD des Piloten überträgt. Das Cockpit wurde um Head-up und Head-down Displays erweitert.
Früher oder später sollen die Tornados durch eine Bodenangriffsversion des Eurofighter Typhoon abgelöst werden Ob dieses gelingt steht noch in den Sternen.

 

Tornado ADV (Air Defence Variant)


Der Tornado ADV stellt die britischen Vorstellungen nach einem Luftüberlegenheitsjäger dar. Wegen der Insellage war hier immer mit einem Angriff sowjetischer Bomberverbände über Wasser zu rechnen. Ein Abfangjäger musste daher nicht unbedingt möglichst wendig sein, sondern er sollte den anfliegenden Maschinen möglichst schnell entgegen kommen und diese weit entfernt mit seinen Bordwaffen angreifen. Dadurch erhoffte man sich die gegnerischen Maschinen noch außerhalb der Reichweite ihrer Raketen zu erwischen. Vor allem der Kampf gegen Bomber sowie deren Marschflugkörper wurde die Aufgabe des Tornado ADV, mit gegnerischen Jägern war wegen der großen Entfernung nicht zu rechnen.
Auf der Suche nach einem möglichst optimalen Jäger untersuchte man zunächst zu Beginn der 70‘er Jahre die neueste Generation amerikanischer Jäger. Die F-16 wurde als zu klein und wegen ihrer begrenzten Reichweite abgelehnt. Der zukünftige Luftüberlegenheitsjäger der USAF, die F-15, wurde ebenfalls getestet. Für die langen und schwierigen Einsätze gegen sehr viele Ziele über See war den britischen Piloten die Auslegung als Einsitzer aber nicht ganz praxistauglich. Es zeigten sich Schwächen beim Allwettereinsatz und der ECM-Ausstattung. Der letzte Testkandidat war die F-14, die zusammen mit ihrem APG-9 und der Phoenix-Lenkrakete den britischen Forderungen mehr als entsprach. Allerdings machten die extrem hohen Kosten der amerikanischen Konstruktion einen Strich durch die Rechnung der britischen Planer.
Also entschied man sich, daß gerade angelaufene Tornado Programm zu erweitern.
Die Version ADV entspricht zum großen Teil der IDS Variante, allerdings hat sie nur sehr beschränkte Bodenangriffsfähigkeiten. Um eine möglichst große Waffenlast mit möglichst geringem Luftwiederstand zu transportieren, wurden Mulden unter dem Rumpf eingerichtet, in der die „Sky-Flash“ „Sparrow“ oder „AMRAAM“ Raketen halbversenkt transportiert werden. Zur Verwirklichung dieses Konzepts musste aber der Rumpf durch eine neue Sektion hinter dem Cockpit erweitert werden. Um den Schwerpunkt sicher zu stellen wurden auch die Tragflächen nach vorne verschoben, wodurch sich auch der Pfeilwinkel um 7° änderte, was einen geringeren Luftwiederstand bei hohen Geschwindigkeiten bedeutete. Da Tiefflugeinsätze für einen Abfangjäger ziemlich selten sind, konnte die Konstruktion der Zelle vereinfacht werden und Gewicht eingespart werden.
Im Oktober 1979 erfolgte der erste Flug und es dauerte noch bis März 1984, bis dir erste von 178 Serienmaschinen abhob. Die meisten Verzögerungen des ganzen ADV Programms sind wohl auf das Radar zurückzuführen, welches erst 1989 Serienreife erlangte.
Derzeit befinden sich die Maschinen in einer Umrüstung auf neue Lenkwaffen, wie die „AMRAAM“ und die „ASRAAM“. Neben Großbritannien setzt auch Saudi-Arabien 24 Tornado ADV ein.

Cockpit
Das Cockpit entspricht im Großen und ganzen dem Tornado IDS

Avionik
Das große Sorgenkind war das AI-24 Foxhunter Radar, das erst sehr spät eine Serienreife erlangte. Es handelt sich dabei um ein Impuls-Doppler-Radar mit sehr großer leistungsdichte, welches speziell für den Einsatz in einem Luftüberlegenheitsjäger optimiert wurde. Es beherrscht sowohl TWS- als auch RWS- Betriebsarten und dient auch zur Zielbeleuchtung für die Halbaktiven Raketen

Bewaffnung
Neben einer 27-mm Bordkanone von Mauser kommen nur Luft-Luft-Waffen zum Einsatz. Derzeit sind das die AIM-9L Sidewinder, die AIM-132 ASRAAM, die AIM-7 Sparrow, die Sky-Flash und die AIM-120 AMRAAM.  


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